Sonntag, 6. März 2016

Wie werde ich ein richtig unerfolgreicher Webcomicblogger: 11 Super-Tipps.

Wolltest du auch schon immer so einen Comicblog starten, hast aber gar keinen Bock, dass das schon wieder so ein Supererfolg wird, wie deine anderen Onlineprojekte. Dann folgen jetzt hier 11 Supertipps, wie man auf jeden Fall viele Klicks und übermäßige Aufmerksamkeit vermeidet.

1. Veröffentlichungsrythmus


Erfolgreiche Blogger veröffentlichen regelmäßig. Manche täglich, manche wöchentlich.
Es ist auch eigentlich gar nicht so wichtig, was man postet, sondern entscheidend DAS man postet. (Das ist das Internet. Quantität vor Qualität.)
Lass das. Poste nur alle zwei oder drei Wochen mal was. Oder noch besser: fahre ein halbes Jahr auf Kur in BadKleinKlein und melde dich erst danach wieder. Wer dich bis dahin noch nicht aus seinem Verteiler gekickt hat, wird spätestens jetzt daran erinnert es zu tun.

2. Der Inhalt


Wenn du sichergehen willst das möglichst wenige deine Beiträge lesen, dann berichte über irgendwas dass nur sehr wenige Menschen oder vielleicht auch nur dich interessiert.
Ich fahre sehr gut mit Kunstgeschichte und verstaubten Reliquien. Gut wäre aber auch sowas wie die Fortpflanzung von Fischottern. Du kannst dabei ruhig witzig sein, aber sei nicht zu flach, dass zieht nur die Massen ein.

Es gibt dabei allerdings eine gewisse Grenze. Ab einem gewissen Maß an Abgefucktheit zieht man dann wieder sehr viele (abgefuckte) Leute an. Also den Otter-Porn vielleicht lieber in der Dropbox lassen und bei einem guten Glas Wein genießen.  

3.Wall of Content  


Willst du sicher gehen, dass niemand liest, was du produziert hast, dann poste möglichst lange, nicht in zwei Sekunden verdauliche Beiträge.

Vergiss die Katzen. Vergiss Titten. Vergiss die 4-Panel-Comics.Versuchs doch stattdessen mal mit einer 4-teiligen Trilogie, mit mehreren tausend Seiten im PDF-Format.
Aber so weit musst du eigentlich gar nicht gehen. Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne für einen Internetbeitrag beträgt drei Sekunden. Also lehn dich entspannt zurück bei einer Beitragslänge ab 4 Sekunden.

Mir zum Beispiel ist klar, dass das hier niemand mehr liest. Ich kann hier alles schreiben, was ich will, nur um Lücken zu füllen. Eben gerade war ich bei BurgerKing und hab mir ein Menü bestellt. Und dann wollte ich noch so eine Waffel mit Eis dazu. Da hat der Verkäufer mich echt komisch angeschaut. So nach dem Motto „Wirklich Fetti? Meinst du nicht, dass so ein Burger schon genug zu deinem Herzinfarktrisiko beiträgt? Willst du nich lieber n Salat?“. Und ich dachte „Woah, momentmal – du – Ähm. - egal. Nächster Punkt. 


4. Technik und Stil 


Versuchs gar nicht erst mit Photoshop. Nimm Windows Paint. Oder du zeichnest in alte karierte Collegeblocks und scannst das dann ein, aber so richtig schön scheiße-unlesbar. Erzähl dann allen, dass sei eine künstlerische Stilentscheidung.
Das hat den Vorteil, dass du über Kritik erhaben bist. Es ist schließlich beabsichtigt, dass es so kacke aussieht. Das hat aber auch den Vorteil, dass vermutlich gar niemand erst lesen wird, was du da machst. Es ist auch wichtig, dass du nicht weiterentwickelst. Also besser gar nicht zu viel üben.  

5. Chaos


Das Genie beherrscht das Chaos. Aber du bist kein Genie. Du bist nur ein durchschnittlicher Mensch auf diesem durchschnittlichen Planeten.
Verschwende viele kostbare Minuten oder auch Stunden um unter den Papierstapeln nach deinem Tablet zu suchen, dann nach dem Stift für das Tablet, nur um dann zu erkennen, dass das Usb-Kabel für dein Tablet irgendwo anders liegen geblieben sein muss und du heute sowieso nix mehr machen kannst.
Lass Bücherstapel umstürzen und auf deinen Laptop fallen, so dass dieser einen Totalschaden erleidet.(Wissen wiegt schwer.) Finde unter den Papierbergen alte Mitschriften, die dich daran erinnern, dass morgen eine Prüfung ist, für die du noch nicht gelernt hast. Lass in einer Schublade ein Brötchen verschimmeln, bis der Kammerjäger dein Zimmer versiegeln und ausräuchern lässt. Außerdem is auch bald wieder Waschtag und der Müll müsste mal wieder rausgebracht werden. Vielleicht.  

6. Psychische Krankheiten und Störungen 


Immer gut um sein Leben nicht auf die Reihe zu kriegen, geschweige denn einen Webblog. 
Obwohl man ja theoretisch echt richtig viel zu erzählen hätte. Aber dafür müsste man die Kraft aufbringen, aus dem Bett zu kommen. 
Ich persönlich habe ADHS. Depressionen oder paranoide Schizophrenie tun es aber auch. Irgendwas, was dir dein Leben so richtig vefickt schwer oder zur Hölle macht, aber von der allgemeinen Gesellschaft nicht wirklich ernst genommen wird. Denn denk immer dran:„Wenn du wirklich wolltest, könntest du es schaffen, sie können es ja schließlich auch.“  


7. Hobbys und andere Verpflichtungen. (Time is Money, Money is Power, Power is Pizza) 


Ich meine klar. Man könnte einfach Design oder sowas studieren und sein Leben voll ausrichten auf Kunst, Comics und so weiter. Aber man kann auch was völlig anderes studieren, zum Beispiel Elektrotechnik oder Translationswissenschaften. Und man kann auch noch nebenbei arbeiten oder sich ehrenamtlich engagieren (falls man ein verwöhntes Bonzenkind ist, das nicht arbeiten muss. Ups sorry.) Man kann seine Freundschaften pflegen oder sein Meerschweinchen. Man kann Containern oder auf Reisen gehen. Man kann alle 4 Teile von Sims in Echtzeit spielen, sich ein Kostüm für eine Supernatural-Convention basteln oder die gesammelten Werke von Tolstoi lesen.
Wichtig ist auf alle Fälle, dass man kein Zeitgefühl hat und sich sehr häufig in seinen Plänen verzettelt.  

8. Suchtstoffe 


Im weitesten Sinne. In meinem Fall sind das ungesundes Essen und Cola Light. Ich sehe euch lachen. Aber wie viel Zeit und Geld ist in meinem Leben schon drauf gegangen, beim Beschaffen von Binge-Lebensmitteln.
Wie viele Stunden sind vergangen, während ich der Pizza beim Aufwärmen im Ofen zuschaute. Wann wird mich der Krebs dahinraffen, den mir die Aspartam-versuchte Diätcola eingebrockt hat. Wie viele Photoshop-Kurse hätte ich mir ohne diese Suchtmittel finanzieren können?
Wie viele viele nicht völlig veraltete Pcs, auf denen Photoshop überhaupt läuft, hätte ich mir kaufen können..? Ja,genau. 

9. Soschäl Netwörking


Wäre dein Leben ein Roman, wärst du der Almöhi aus Heidi. 
Nur dass nicht mal Heidi dich besuchen kommt, weil du ihre Whatsappnachricht nicht liest, in der steht, dass sie deine Adresse noch gar nicht hat und du sie doch bitte vom Bahnhof abholst. Wahrscheinlich hast du nicht mal ein Smartphone.
Und wäre alle anderen fleißig ihre Beiträge bei Facebook, Google+, Twitter, Instagram, Pinterest, Vine, Youtube, Snapchat, Flickr, We-heart-it, Tumblr, Whatsapp und dem Aol-Instantmessenger teilen.. lädst du deine Comics nur bei einem verstaubten Blog-Anbieter hoch und erreichst genau 3 Leute. Oh warte, der Account zählt deine eigenen Klicks auch als Webaufrufe. Puh. 

10.Verlasse deine Wohnung nicht. 


Noch mehr Social-Networking. Erlebe nichts.Treffe keine Freunde, gehe nicht auf Partys. Erzähle niemanden von deinem Blog. Geh schon gar nicht! Auf gar keinen Fall! Zu diesen Comic-Messen. Am Ende sind da noch Leute, die interessiert was du machst.  


11.Glaube nicht an dich selbst


Du kennst die Zeile aus jedem schmalzigen Tränenrühr-Motivations-Disney-Popsong. 
Es gibt Leute, die haben Selbstvertrauen. Oder es gelingt ihnen genug davon vorzutäuschen um andere von ihrem Werk zu erzählen.
Sie machen vielleicht sogar Werbung für sich oder gehen auf Messen. Und warum? 
Weil sie glauben, dass irgendwo irgendwer ihr Zeug interessieren könnte.
Dieser Punkt ist vielleicht der wichtigste. So simpel wie effektiv. Leg dir ordentlich Selbstzweifel zu, leg dir selbst Steine in den Weg und ergreife keine der Chancen, die sich dir bieten. Vielleicht löschst du deinen Blog auch einfach gleich wieder. Is' eh einfacher.



Finde das USB-Kabel. 





























Kommentare:

  1. Tja, irgendwas machst du wohl immer noch falsch, weil dich alle lieben. Solltest dir lieber mal von mir ne Scheibe abschneiden :P

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    1. Wirklich? Wo sind diese alle? Wieso sitze ich dann Freitagabend so oft alleine zu hause mit einer Flasche Erbeerwein?

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    2. Die sitzen auch faul Daheim oder lassen sich ins Kino mitschleifen ;)

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    3. Einer davon hätt ich Linz darauf gehofft dass du aufkreuzt :P

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  2. burger king mag ich nicht mehr - dich aber immer noch :p

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  3. Also ich halte mich so gut es geht an alle Punkte.

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  4. Ich gebe zu, ich habe zwischendrin ein paar Mal geschmunzelt und gegrinst - und es bis zum Ende geschafft. ;) - An einige deiner Tipps halte ich mich irgendwie auch immer wieder. Wobei ich mich teilweise auch bewusst dafür entschieden habe, weil ich letztes Jahr zu der Erkenntnis gekommen bin, dass ich wg. der ganzen "Quantität vor Qualität" Nummer nicht durch's Leben rennen und an jeder Stelle einen möglichen Blog-Post suchen will. *mh*

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  5. Also ohne die ganzen Selbstzeifel wäre das hier alles ein Scheißdreck. Du bist der Indie-Rock-Pete des Webcomics (und nicht des Indie-Rocks!) und für dich gilt genauso: "Imagine the art I could produce if I was properly depressed!" http://dieselsweeties.com/archive.php?s=1510

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