Donnerstag, 23. Juli 2015

Avada Kedavra Bitches!


















































Also warum mag ich Harry Potter nicht?
Harry Potter ist für mich eine der flachsten Hauptfiguren, die jemals erfunden wurden.
Man müsste doch meinen, dass jemand mit einer so traumatischen Kindheit irgendwie mehr Ecken und Kanten hätte. Irgendwelche Ängste, Zweifel, Unsicherheiten, Bindungsstörungen. Vielleicht nicht besonders gut mit Autoritäten könnte. Oder überhaupt: irgendeine Macke oder Schwäche hat.

Aber nö. Harry Potter, aus dem Sklaven-Treppen-Keller-Gefängnis seiner gestörten Verwandten entkommen, ist immer hilfsbereit, freundlich, mutig, aufrichtig, beliebt, gut in der Schule, der Star im Football Quidditchteam, kriegt die Mädels, besiegt die Ungetüme und backt für seinen besten Freund schnell nebenbei noch ein Rosinen-Nuss-Kuchen zum Geburtstag.
Mal abgesehen davon, dass seine Narbe schmerzt, wenn Voldimorti mal wieder viel an ihn denkt, macht ihm die Situation irgendwie recht wenig aus.
Im Gegenteil - egal wann - Harry Potter bleibt die moralisch überkorrekte Größe, die alle anderen dazu bringt, sich in die Ecke zu setzen und zu schämen.



Kommentare:

  1. Tja, er war halt als "Feel good" Figur eines Kinderbuches gedacht ;)

    AntwortenLöschen
  2. Ich weiß nicht hast du nur den Film gesehen oder auch das Buch gelesen?
    Was mir nämlich als Leserin ds Buches penetrant bis in die hintersten Ecken in den Filmen auffällt, ist, dass alle größeren und kleineren Charakterschwächen, die Harry im Buch hat, im Film weggekürzt werden. Im Buch hat er öfter mal auch Ausraster, die im Film so nie vorkommen und ist irgendwie auch ein bisschen frecher; im Buch bringt er sich oft selber durch seine eigenes Verhalten in die Situationen rein, in die er im Film aus purem Pech und Zufall kommt.

    Besonders im fünften Film ist mir das aufgefallen, da gab es im Buch eine schön peinliche Szene, in der er das erste Date mit seiner Freundin gründlich vermasselt hat, im Film kommt das Date nicht vor und seiner Freundin verrät ihn, weil man offenbar bei Filmpublikum davon ausgeht, dass es angenehmere Charaktere braucht als Buchleser.

    Außerdem ist er, genau wie Ron, eigentlich ein ziemlich schlechter Schüler, weil er ständig irgendwie was anderes vorhat, als wirklich brav seine Hausaufgaben zu machen. Das kommt im Film auch nicht so groß raus, aber im Buch geht es jedes mal darum, dass Harry Schiss vor den Abschlussprüfungen hat.

    Zusätzlich dazu werden Streitsituationen in den Filmen immer sehr viel schneller de-eskaliert als im Buch, im Buch dauert es oft ewig, bis das mal runterkocht und sie sind auch nicht nach einem einzigen klärenden Gespräch das nur fünf Sätz dauert wieder beste Freunde.

    Ansonsten kann ich es schon ein bisschen verstehen, man fragt sich manchmal schon, warum Harry trotz der ähnlichen Biographie nicht auch so geworden ist wie Voldemort :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich hab die Bücher gelesen.
      Ich mag ihn aber auch im Buch nicht. Obwohl du Recht hast.. er hat da etwas mehr Tiefe.
      Generell haben sie die Figuren in den Filmen ja recht glattgebügelt.
      Malfoy find ich im Film aber glaubwürdiger, als im Buch.

      Aber generell finde ich die Figuren in den Geschichten recht flach gestaltet. Vllt urteile ich aber auch wirklich zu streng - mit einem Kinderbuch. *hust*.

      Löschen
    2. Das ist, glaube ich, bei fast allen Buchverfilmungen so, weil Filme einfach ein anderes Medium sind.
      Ich glaube außerdem, dass Harry Potter gerade deswegen so erfolgreich sind: Die Charaktere sind genau auf dem schmalen Grat zwischen "gar kein Charakter" und "doch zu eigenwillig" aufgebaut, sodass sie noch interessant sind und gleichzeitig noch genügend Reflektionsfläche bieten, dass praktisch jeder sich mit einer Figur identifizieren kann. Ich glaube, das liegt nicht einmal am Kinderbuch (Märchenfiguren sind schließlich noch flacher und inhaltsloser gestaltet, aber mal ehrlich, wenn man sich kurz fassen will ist man eigentlich fast immer dazu gezwungen, oder?) sondern einfach daran, dass etwas, um Erfolg zu haben, ein Mindestmaß an Raum für Projektionen von Zuschauern oder Lesern bieten. Genau wie bei Märchen, weswegen man Märchen ja immer wieder und wieder neu erzählen kann, sie sind doch irgendwie anders. Also, ich glaube nicht, dass es am Kinderbuch allein liegt. Ich finde Harry Potter ist verglichen mit den Erstlesebüchern die als total pädagogisch in deutschen Buchhandlungen über den Tisch gehen, sogar tiefsinnig. Es geht zumindest nicht so sehr mit dem Holzschlaghammer vor und das ist, finde ich, etwas ziemlich Unterschätztes.

      Das ist wie bei Peter Pan, bei Disney ist der einfach ein Held, aber im Buch ist er einfach ein grausames Arschloch, trotzdem finden die meisten Leute ihn toll. Ich glaube, du würdest ihn (in der originalen Buchversion) mögen :D

      Neulich habe ich ja eine Harry Potter Parodie gelesen, und da waren die Charaktere wirklich voll von allen möglichen seltsamen Eigenheiten, was aber genervt hat, weil sie trotzdem bloß Karikaturen ihrer Vorbilder waren und dadurch zwar über rassistische und frauenfeindliche Witze gelacht haben, aber eigentlich trotzdem nicht interessanter waren, weil sie sogar noch berechenbarer waren. Ich weiß nicht, aber für mich ist das immer der Beweis, dass man zwar vieles bemängeln kann, aber es eigentlich selber nicht besser könnte.

      Löschen
  3. Harry ist doch gar nicht die Haupfigur, der soll doch gar nicht auffallen, der ist doch nur die Assistentin des Zauberers. Im Buch geht es doch um Snape!

    AntwortenLöschen